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Sonntag, 25. Juni 2017

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Wem gehören Wasser, Boden oder Luft?

Commons World

Aktuell berauscht sich die Welt - die entwickelte wie auch die sich entwickelnde - am Paradigma der Umstellung von Besitz auf Zugang. Unter den Schlagwörtern "kollaborativer Konsum", "kollaborative Produktion", "Creative Commons" oder "solidarische Ökonomie" bis hin zur erstaunlichen Revitalisierung der Genossenschaft entsteht die (zumeist noch sehr elitäre) Hoffnung, dass sich Kollektivgüter auf eine neue Art entwickeln, finanzieren und gewährleisten lassen.

Aber die Frage der Legitimität ist so offen wie die nach der Aufsicht über die neuen Akteure in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung. Die Crux an den Gemeingütern bleibt: die Organisation von Kooperation. brandeins.de


Elinor Ostrom gegen die Tragik der Allmende

Elinor Ostrom erhielt 2009 als erste Frau den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Am 12. Juni 2012 ist sie im Alter von 78 Jahren verstorben. Die Politikwissenschaftlerin bleibt vor allem durch ihre Arbeit über die Allmende in Erinnerung.

Allmenden, engl. Commons, sind kollektiv genutzte Ressourcen in Gemeinschaftsbesitz. Traditionell fielen darunter landwirtschaftliche Flächen, wie beispielsweise Weideflächen. Da vorab nicht absehbar war, welche Weiden im nächsten Jahr den besten Ertrag bringen würden, lag für die Hirten die Organisation als Allmende nahe. Das Gebiet zu parzellieren und in Privateigentum zu überführen wäre praktisch eine Lotterie gewesen, die für die Verlierer den Verlust ihrer Existenzgrundlage bedeutet hätte. Deshalb entschied man sich für ein Modell des Gemeinschaftseigentums und des freien Zugangs.

Der Begriff der Allmende erlebt heute eine Renaissance, wenn es um die digitale Allmende geht: Immaterialgüter unter freien Lizenzen, wie beispielsweise Inhalte unter Creative Commons oder freie Software. Potentiell problematischer ist aber Gemeinschaftseigentum an natürlich knappen Gütern, die tatsächlich durch Übernutzung erschöpft oder zerstört werden könnten.

Von der Allmende kommt man so unweigerlich auf die sogenannte "Tragik der Allmende" zu sprechen. Der Ökologe Garrett Hardin prägte den Begriff 1968 in einem Essay für die Zeitschrift Science unter dem Titel The Tragedy of the Commons. Seine These: Sobald eine Ressource uneingeschränkt allen Menschen zur Verfügung steht, wird jeder Nutzer versuchen, für sich so viel Ertrag wie möglich zu erwirtschaften. Dies führe letztendlich zur Übernutzung und Zerstörung der gemeinsamen Ressource - beispielsweise zur Überfischung eines Sees.

Hardin sah nur zwei Auswege aus der Tragik der Allmende: Einerseits die Umwandlung in Privateigentum, da Eigentümer neben der Profitmaximierung gleichzeitig ein Interesse am Erhalt ihres Eigentums haben; andererseits die Überführung in "öffentliches" Eigentum unter der Kontrolle des Staates. Dem Staat sei es dadurch möglich den Zugang zu regulieren und Übernutzung zu verbieten. So wurde die Tragik der Allmende zur Rechtfertigung sowohl von Privatisierung als auch vonstaatlicher Intervention herangezogen.

Tatsächlich sind Allmenden heute seltener geworden. Formen des Gemeinschaftseigentums wurden mit Aufkommen des Kapitalismus zurückgedrängt. Vor allem im 18. und 19. Jahrhundert fand in Großbritannien die "Enclosure of the Commons" statt: Gemeinschaftseigentum an landwirtschaftlichen Flächen wurde aufgelöst, und diese wurden durch Einzäunung in Privateigentum zur kommerziellen Nutzung verwandelt. Diese Entwicklung ist heute auch dadurch bekannt, dass Karl Marx sie als „Expropriation des Landvolks von Grund und Boden“ thematisierte. Laut Marx habe diese "ursprüngliche Akkumulation" die Spaltung in eine Klasse von Besitzern der Produktionsmittel einerseits und  mittellosen potentiellen Lohnarbeitern andererseits in Gang gesetzt.

Dennoch, Allmenden existieren und funktioniern auch heute. Den institutionellen Strukturen und dem kollektiven Handeln rund um die Allmende widmete sich Elinor Ostrom in Governing The Commons (1990). Neben spieltheoretischen Ansätzen analysierte sie zahlreiche reale Einzelfälle funktionierender Allmenden. Sie stellte schließlich einen Satz von Kriterien auf, wie Gemeingüter nachhaltig organisiert werden können:

  • Klar definierte Grenzen und einen wirksamen Ausschluss von externen Nichtberechtigten.
  • Regeln bezüglich der Aneignung und der Bereitstellung der Allmenderessourcen müssen den lokalen Bedingungen angepasst sein.
  • Die Nutzer können an Vereinbarungen zur Änderung der Regeln teilnehmen, so dass eine bessere Anpassung an sich ändernde Bedingungen ermöglicht wird.
  • Überwachung der Einhaltung der Regeln.
  • Abgestufte Sanktionsmöglichkeiten bei Regelverstößen.
  • Mechanismen zur Konfliktlösung.
  • Die Selbstbestimmung der Gemeinde wird durch übergeordnete Regierungsstellen anerkannt.


Ostrom hat mit ihrer Forschung die These vom angeblich unvermeidlichen Scheitern von Gemeinschaftseigentum als Vorurteil entlarvt. Oft lässt die Ideologie des real existierende Kapitalismus keine Option zwischen Privatisierung und Verstaatlichung zu oder auch nur denkbar erscheinen. Aber wenn wieder einmal behauptet wird, dass alles andere nicht "realistisch" sei, besteht heute die Chance, dass der Name Elinor Ostrom fällt. Dank Ostrom hat die Idee der Selbstverwaltung gemeinschaftlicher Güter durch deren Nutzer auch im Mainstream-Diskurs wieder einen rechtmäßigen Platz.

Eine bessere Rezeption von Ostroms Arbeit innerhalb der Linken wäre wünschenswert. Denn wer jenseits von Markt und Staat soziale Experimente mit selbstverwalteten Strukturen und gemeinsamer Nutzung von Ressourcen wagt, wird sich früher oder später mit Nutzungsbedingungen, Ein- und Ausschluss, Konflikten und Konfliktlösungsmechanismen auseinandersetzen müssen. Das ist schwierig genug, ohne das Rad ständig neu zu erfinden. www.systempunkte.org

Governing the Commons:
The Evolution of Institutions for Collective Action

Google Book > von Elinor Ostrom
 

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Natural Capital for Nothing

Weitere Info:
www.shareable.net/ecosystem
www.iasc-commons.org
www.elinorostromaward.org
www.iasc2013.org
www.capri.cgiar.org/sourcebook
 

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