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Mittwoch, 23. August 2017

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Alles LOHAS oder was?

Warum die älter werdende Gesellschaft Nachhaltigkeit nachhaltiger macht! Nachhaltigkeit ist derzeit in aller Munde. Es stellt sich jedoch die bange Frage, ob es sich dabei um einen vorüber gehenden Mode-Hype handelt wie bei früheren grünen Trends, oder tatsächlich um einen nachhaltigen Bewusstseins-Wandel. Optimistisch stimmt, dass der Nachhaltigkeits-Trend einige seltsame Verbündete hat — darunter auch die demografische Entwicklung zur älter werdenden Gesellschaft.


Das Wissensmagazin "GDI IMPULS" (www.gdi-implus.ch) schreibt in seiner Ausgabe vom Herbst 2007:

"Bewusster Konsum ist Mainstream geworden. Themen wie Nachhaltigkeit, Gesundheit und Umweltbewusstsein liegen im Trend eines angesagten Lebensstils, der die Reformhaus-Verbissenheit einstiger Öko-Ideologen durch ein neues Selbstverständnis des Konsums ablöst. Das aktuelle Zauberwort der Trendbranche lautet daher LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability — auf Gesundheit und Nachhaltigkeit basierender Lebensstil). Es bezeichnet stilbewusste, eher gutsituierte Menschen, für die Technikaffinität und grünes Gewissen, Konsumfreude und Nachhaltigkeit keine Widersprüche mehr sind.

Sind Konsumfreude und Nachhaltigkeit keine Widersprüche mehr?

Ihr Konsumverhalten schafft Milliardenmärkte für Produkte, die ein gutes Gewissen mitliefern. Damit werden die Lohas zum Vorreiter eines gesellschaftlichen Wertewandels, der aus den Szene-Vierteln der Metropolen zunehmend in die Mitte vorstösst."

Trendforscher leben bekanntlich davon, dass sie ständig irgendwelche Entwicklungen zum fundamentalen Wandel erklären und darauf herum reiten, bis die nächste Trendsau durchs Dorf getrieben wird. Vorsicht ist also auch bei der grünen Welle angesagt. Tiefgrün gefärbte Flammen der Hoffnung sind in den letzten Jahrzehnten schliesslich schon ein paar Mal aufgeflackert, ohne dass sie einen Flächenbrand verursacht hätten. Was also spricht dafür, dass der Nachhaltigkeits-Trend diesmal nachhaltiger ist?

Zunächst einmal die sprachliche und gedankliche Verknüpfung von Nachhaltigkeit mit Gesundheit, wie sie im Begriff LOHAS vorgenommen wird. Gesundheit ist bekanntlich für die meisten Menschen einer der zentralsten, wenn nicht der wichtigste Wert. In einer deutschen Umfrage sagten denn auch ehrlicherweise 71% der Befragten, der wichtigste Grund für den Kauf von Bioprodukten sei der Nutzen für die eigene Gesundheit. (20% nannten den Nutzen für den Tier- und Umweltschutz, 5% nannten soziale und politische Gründe.)

Wenn Nachhaltigkeit gut ist für die eigene Gesundheit, braucht es keine idealistischen Motive mehr, um sich dafür einzusetzen, purer Eigennutz genügt. Tatsächlich hat ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein bei vielen zur Einsicht geführt, dass die eigene Gesundheit ein nachhaltig anzulegendes Projekt ist, weil sich Investitionen und Sünden langfristig auswirken.

Apropos Sünden: Schubkraft erhält die Nachhaltigkeits-Bewegung tatsächlich auch von dem, was wir säkularisierte religiöse Motive nennen könnten. Das ganze Geschäft mit den Lohas funktioniert ja im Wesentlichen, weil diese bereit sind, für in gutes Gewissen gutes Geld zu zahlen — und ein gutes Gewissen ist nun mal eine ursprünglich religiöse Idee. Allerdings haben wir die Idee vom Jenseits ins Diesseits verlagert: Wir wollen nun nicht mehr nach unserem Ableben vor unserem Schöpfer bestehen können, sondern schon davor vor uns selbst, wenn wir uns im Spiegel in die Augen schauen. Der in letzter Zeit so sehr aufgewertete Wert der Eigenverantwortung funktioniert nun mal nur mit einem entsprechenden Kompass, und dafür eignet sich das gute alte Gewissen noch immer hervorragend.

Sind Bekenntnisse zur Nachhaltigkeit mehr als heisse Luft?

Eher kurios mutet in diesem Zusammenhang der Rückgriff auf ein ziemlich antiquiertes katholisches Prinzip an, nämlich jenes des Ablasshandels: Wenn das Geld im Beutel klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt! Für einen eigentlich unnötigen Flug bezahlen wir das vom Computer errechnete Ablassgeld in Form einer CO2-Abgabe, und flugs sind wir vom Bewusstsein befreit, eine Umweltsünde begangen zu haben. Wie praktisch!

Und wie heuchlerisch. Ein wirklich nachhaltiger Lebensstil ergibt sich aus solchen Ersatzhandlungen nicht. Und auch nicht allein — so steht zu befürchten — aus technischem Fortschritt. Was nützt es, wenn alle Autos sauberer und sparsamer werden, doch dieser Fortschritt mehr als kompensiert wird dadurch, dass immer mehr Menschen immer mehr Auto fahren?

Im schon erwähnten GDI IMPULS sagt Kalle Lasn, einer der Vorkämpfer von Nachhaltigkeit:

"Wir wollen einfach nicht auf unseren opulenten und dekadenten Lebensstil verzichten. Man sieht das an fundamentalen Dingen wie unserem Freiheitsbegriff: Wenn wir unter "Freiheit" vor allem die Möglichkeit verstehen, jederzeit ins Auto zu hüpfen, um im Laden eine Meile entfernt eine Cola zu kaufen und dann wieder zurück nach Hause zu fahren, setzen wir offensichtlich falsche Prioritäten. Wir fordern Menschenrechte und Individualität ... — aber über unsere eigene Bequemlichkeit wollen wir nicht einmal nachdenken."

Tatsächlich wird die geschilderte Fahrt nicht sinnvoller, wenn sie mit einem Hybrid-Auto gemacht wird. Herr Lasn hat also Recht: Wir werden über einige Dinge noch sehr viel tiefer nachdenken müssen. Der bisherige Bewusstseinswandel genügt noch nicht. Ohnehin ist die Geschichte mit dem Bewusstseinswandel immer eine unsichere, schliesslich tun wir oft genug nicht das, was wir bewusst als richtig erkannt haben.

Bloss haben wir gar keine andere Chance, als auf Bewusstseinswandel zu setzen: Nur ein ausreichend klares und starkes Bewusstsein ist in der Lage, sich gegen die kurzfristigen Impulse aus anderen Regionen unseres Gehirns durchzusetzen und für ein nachhaltig verantwortbares Verhalten zu sorgen. Nachhaltigkeit hat also nur dann eine Chance auf Nachhaltigkeit, wenn der begonnene Bewusstseinswandel — bei den Lohas und bei anderen — weiter und tiefer geht.

Dabei könnte von unerwarteter Seite Hilfe kommen, nämlich vom Megatrend der älter werdenden Gesellschaft. Dafür gibt es mindestens drei Argumente:

1. Allmählich setzt sich die demografische Entwicklung auch in unser Bewusstsein um, das heisst, wir begreifen, dass wir tatsächlich älter werden. Wir kommen gar nicht darum herum, auch jenseits der Fünfzig noch etliche Lebensjahrzehnte einzuplanen. Das erweitert unseren Zeit- und Zukunftshorizont ungemein, was wiederum das längerfristige Denken und Planen fördert. Beides ist unabdingbar für ein wirklich nachhaltiges Bewusstsein.

2. Für eine einzige Cola-Dose ins Auto zu steigen, und dies als Ausdruck individueller Freiheit zu betrachten, ist Ausdruck einer Vorstellung von Freiheit, die diese primär als Möglichkeit sieht, jedem kurzfristigen Impuls, der ein bisschen Lustgewinn verspricht, hemmungslos folgen zu können. Dieser Freiheitsbegriff ist typisch für Jugendliche, die ihre ersten tapsigen Gehversuche im Reich der Freiheit unternehmen. Etwas ältere Semester betrachten ihn dagegen mit Recht als ziemlich unreif.

Nachhaltigkeit dagegen ist ein typischer reifer Wert. Und reife Werte sind im Kommen. Wenn eine Gesellschaft älter wird, verändern sich zwangsläufig auch ihre Werte. Das muss nicht zwangsläufig heissen, dass alle immer reifer werden, aber die Chancen zur Reifung steigen mit zunehmendem Alter eben doch. So ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Leitwerte unserer Gesellschaft sich insgesamt hin zur Idee der Reife bewegen, hinter der als noch verlockenderer, wenngleich auch noch schwieriger zu erreichender Horizont das Fernziel Weisheit auftaucht. Das begünstigt auch den Wert Nachhaltigkeit, denn eine nicht nachhaltige weise Gesellschaft ist undenkbar.

3. Unsere Gesellschaft im wohl situierten Europa wird nicht nur demografisch älter. Sie nähert sich in ihrer Entwicklung auch unaufhaltsam einem Sättigungspunkt, nämlich jenem des materiellen Fortschritts. Die bisher unangefochtene Antriebskraft, immer mehr vom Selben haben zu wollen, verliert an Glanz und Schwung, und vermag immer weniger, Identität, Orientierung und Sinn zu stiften. Diese unentbehrlichen Ressourcen unserer geistig-seelischen Gesundheit müssen also anderswo gesucht werden.

Daraus ergibt sich unausweichlich ein starker Trend von den materiellen zu den immateriellen Werten, von Geld zu Geist, und damit auch von Quantität zu Qualität. Statt unseren Lebensstandard immer weiter zu erhöhen, wollen wir jetzt und in Zukunft noch stärker eine bessere Lebensqualität.

Die Idee Lebensqualität umfasst viele Aspekte, sicher aber immer auch jenen der Nachhaltigkeit. Denn es gibt keine Lebensqualität ohne jene der anderen, Lebensqualität ist langfristig angelegt, und zu Lebensqualität gehören unabdingbar körperliche Gesundheit und geistig-seelisches Wohlbefinden — also auch ein gutes Gewissen.

Trendsetter dieser Entwicklung sind nicht etwa die jungen Jahrgänge, sondern eindeutig die reiferen. Je älter wir werden, desto mehr rückt die Frage unserer Lebensqualität ins Zentrum. Reife Lebensqualität ist kein Widerspruch, sondern ein sehr gut zusammen passendes Paar: Zwischen fünfzig und achtzig winkt uns die höchste Lebensqualität (siehe SensoNet-Ergebnisse). Je mehr Menschen diese Erfahrung machen, desto stärker rückt Lebensqualität als erstrebenswerter Leitwert ins kollektive Bewusstsein. Und verstärkt dort den Bewusstseinswandel in Richtung Nachhaltigkeit.

Dass die grüne Welle diesmal auch glamouröse junge und schöne Menschen erreicht hat und sich dadurch schneller ausbreitet, ist wunderbar, sollte uns aber nicht den Blick dafür versperren, dass ganz wesentliche Impulse für eine wirklich nachhaltige Nachhaltigkeit von Köpfen ausgehen und ausgehen werden, auf denen schon graue oder weisse Haare (oder aber gar keine mehr) spriessen...

http://www.gigerheimat.ch/Worte/lohas.html
 

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