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Samstag, 16. Dezember 2017

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Von der Nische auf den Massenmarkt

Nachhaltigkeit bei Konsumgütern. Wenn heute von Nachhaltigkeit die Rede ist, fühlen sich längst nicht mehr nur Birkenstockträger in Leinenhosen oder selbstgestrickten Norwegerpullovern angesprochen. Die Grünen von heute werden „LoHaS" genannt: Gesundheits- und umweltbewusste Konsumenten mit erheblicher Kaufkraft, Vertreter eines neuen, globalen Lebensstils, des sogenannten „Lifestyle of Health and Sustainability". Nachhaltigkeit ist vom alternativen Nischenphänomen zum Schlüsselthema der globalisierten Wirtschaft herangewachsen.

Kritische Konsumenten zwingen Hersteller zum Handeln
Auf der jährlich in Frankfurt stattfindenden weltweit größten Konsumgütermesse Ambiente konnte sich im Februar diesen Jahres kein Aussteller den kundigen und kritischen Fragen der Fachhändler entziehen. Viele Messeteilnehmer unterbreiteten bereits konkrete Angebote und beteiligten sich aktiv am Werben für nachhaltigen Konsum. Es ging dabei um die Schonung von Umwelt und Ressourcen, um Gesundheit, fairen Handel, ethisch-sozial verträgliche Arbeitsbedingungen und energiesparende Logistikkonzepte. Der verantwortungsbewusste Umgang mit Energie und die Nutzung regionaler Ressourcen sind dabei die am häufigsten eingesetzten Instrumente im Ringen um Nachhaltigkeit. Viele kleine und mittelständische Hersteller setzen auf einheimische Hölzer. Die Firma Woodloops beispielsweise arbeitet zudem ausschließlich mit solchen aus nachhaltiger Waldwirtschaft. Die handgefertigten Möbel sind naturbelassen und von zeitloser Ästhetik geprägt. Die Holländische Firma Binnema Natuur Produkten fertigt Gartenmöbel aus gebrauchten Harthölzern. Alte Eisenbahnschwellen, Kanus, oder Verankerungsbretter werden zu Bänken, ausgediente Wagenräder zu Tischplatten, oder die Wurzeln umgestürzter Bäume werden zu Sitzobjekten verarbeitet. Das Material kommt überwiegend aus Thailand sowie Indonesien und wird vor Ort verarbeitet. Die Gestaltung ist eher rustikal und formal oft von der Natur- bzw. vom ursprünglichen Gebrauch inspiriert. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das kleine Münsteraner Unternehmen Bauholz Design. Hier werden ausrangierte Bauhölzer zu Ladeneinrichtungen mit ganz besonderen Gebrauchsspuren verarbeitet. Schon vor 30 Jahren ärgerte sich Herms Uflacker, Inhaber der Oldenburger Kolonialwaren GmbH, über die Schwemme von Kunststoffartikeln im Dekorationsgewerbe. Als gelernter Gärtner und umweltbewusster Weltreisender überlegte er sich, aus den Abfällen der Natur schöne Dekorationsobjekte zu machen. Er trocknet Schalen, Blätter, Blüten, Wurzeln der verschiedensten Gewächse aus aller Welt, selbstredend ohne Konservierungsstoffe. Die Artikel sind überwiegend naturbelassen, einige werden gefärbt, um die natürliche Schönheit den wechselnden Moden anzupassen.

Nachhaltigkeit bedeutet technischen Fortschritt
Die oben genannten Unternehmen eint: Sie stellen Unikate her und betreiben Manufakturarbeit. Sie bewegen sich in Nischenmärkten. Allein können sie den Ansprüchen einer nachhaltigen Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert nicht gerecht werden. Um für alle Völker in allen Teilen der Welt eine Grundversorgung zu gewährleisten, ist die industrielle Massenproduktion unverzichtbar. Nachhaltigkeit darf sich deshalb nicht in der planvollen Nutzung vorhandener Ressourcen erschöpfen, sondern muss innovative Produktideen und umweltverträgliche neue Materialien generieren. Diesbezüglich sind die auf der Ambiente vertretenen Lifestylebranchen zwar noch nicht so aktiv, wie im Umgang mit natürlichen Rohstoffen, aber die Hersteller beginnen sich umfassend damit auseinander zu setzen. Sie bekennen: Schon mit kleinen, aber intelligenten Maßnahmen lassen sich spürbare Effekte erzielen. So ist Porzellan zwar ein ausgesprochen langlebiges Material, aber bei der Herstellung wird sehr viel Energie benötigt. Das Thüringer Unternehmen Kahla kompensiert dieses Problem durch den Betrieb modernster Produktionsanlagen, die auch die im Brennprozess entstehende Abwärme nutzen. Ungebrannter Ausschuss oder Abfall wird recycelt. Bei der Produktgestaltung wird besonderes Augenmerk auf zeitlose Ästhetik mit hohem Gebrauchswert gelegt. Langfristige Liefergarantien komplettieren den Nachhaltigkeitsanspruch.

Kreativität und Forschung sind Garanten für eine lebenswerte Zukunft
Die Küchenutensilien des niederländischen Unternehmens Royal VKB überzeugen durch nachhaltigen Ideenreichtum. Wasserkaraffen aus Terrakotta nutzen materialeigene Verdunstungsmechanismen zur Selbstkühlung und nützliche Schraubaufsätze für handelsübliche Glaskonserven inspirieren zur Mehrfachnutzung selbiger. So wird ein leeres Marmeladenglas mit einem entsprechend geformten Verschluss temporär zum Milchkännchen, zum Zuckerstreuer oder zur Schnabeltasse.

Ein sehr effizienter Beitrag zum Umweltschutz ist der Einsatz biologisch abbaubarer künstlicher Materialien mit hoher Belastbarkeit und moderner Anmutung. Kompostierbarer Kunststoff wurde bereits Ende der 80iger Jahre in Forschungslaboren entwickelt, aber erst jetzt erlauben neue kostengünstigere Herstellungsverfahren den Einsatz im Massenartikelbereich. Der Endverbraucher darf sich freuen, denn die modernen Biokunststoffe kombinieren die komfortablen Gebrauchseigenschaften ihrer erdölbasierten älteren Schwestern mit den ökologisch notwendigen Nachhaltigkeitskriterien.

Endlich gibt es erste Angebote, die Lust auf mehr machen. So wirbt die Brasilianische Firma Coza für ein Biopolymer mit Kartoffelbestandteilen. »Coza-Organic« ist innerhalb von 18 Wochen zu 100% biologisch abbaubar. Unter dem Label »Coza-Bios« bietet das Unternehmen verschiedenste, zeitlos schöne Behältnisse für Küche, Bad und Büro an. Ähnliche Wege geht der amerikanische Wohn- und Büroaccessoirehersteller Design Ideas. Das Unternehmen stellte auf der Ambiente eine neue Badartikelserie aus einem vollständig biologisch abbaubaren Polymer mit dem Namen »Eco Gen« vor.

Ohne verantwortungsvollen Konsum keine nachhaltige Weltwirtschaft
Nur die Symbiose aus Nachhaltigkeit und gesellschaftlich-sozialer Verantwortung wird nachhaltigen Erfolg bringen. Mit den im Business gebräuchlichen Schlagworten heißt das: Sustainability und Corporate Social Responsibility, kurz CSR, müssen untrennbar miteinander verschmelzen. Es wird von der Teamfähigkeit aller Systeme, Staaten und Völkergruppen unserer globalisierten Erde abhängen, ob das große Experiment, nachhaltiges Leben, gelingt. Zumindest für Europa stehen die Chancen gut, denn laut der Studie »Umweltbewusstsein in Deutschland 2006«, herausgegeben vom Bundesministerium für Umwelt, wächst eben dieses mit zunehmendem Alter. Die Prognosen zur demografischen Entwicklung dürften sich demzufolge an dieser Stelle positiv auswirken. Fakt ist: Der nachhaltigste Beitrag zum Umweltschutz ist bewusster Konsum. Der Boykott in Verruf gekommener Produkte und Marken ist dabei ein sehr effizientes Mittel, um Unternehmen zum Umdenken zu zwingen. Qualitätssiegel wie z. B.: EG-Ökoverordnung, RAL-Umweltzeichen, FSC-Forrest Stewardship Council oder Fairtrade machen Produktion und Handel transparent und geben dem Verbraucher Sicherheit.
Die im Februar 2008 auf der Frankfurter Messe Ambiente vertretenen Konsumgüterhersteller bekannten sich erstmalig mehrheitlich zum Lifestyle of Health and Sustainability.
(Eveline Voigt-Eggert)

Decorate Life:
Unter dem Titel Decorate Life finden vom 4. bis 8. Juli die fünf Veran-staltungen Tendence Autumn + Winter, Collectione Preview Spring + Summer, Young Living, Outdoor Living und The Design An-nual gleichzeitig auf dem Frankfurter Messegelände statt. Damit wird Frankfurt erstmals im Juli 2008 zum Ordertermin für alle Handelsfor-men und für Produkte aller Jahreszeiten. Die Vielfalt an Themen und Produktbereichen sowie die Größe der Veranstaltung, die fast das gesamte Messegelände belegt, machen Decorate Life zum Pflicht-termin für alle beteiligten Branchen auf Industrie- wie auf Handelsseite.
 

Weitere Informationen: www.messefrankfurt.com

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