LOHAS.de

Freitag, 23. Juni 2017

Aktuelle Seite: Home Technologie Innovation Let’s Cradle - Holland ist Vorreiter

Let’s Cradle - Holland ist Vorreiter

wieorg_universum

Die Holländer kurbeln ihre Wirtschaft an und schalten einen Öko-Gang höher. Man könnte sagen, dass die Holländer in Bezug auf Umweltschutz schon immer vorbildlich waren. Romantische Ideale bezüglich der Natur sind ihnen fremd. Da sie viel Land dem Meer abgerungen haben und regelmäßig unvorhersehbaren Überschwemmungen ausgeliefert waren, wissen sie seit Jahrhunderten um die Wachsamkeit, die nötig ist, um sich vor Naturkatastrophen zu schützen.

In den letzten Jahren waren sie an der Spitze umweltgerechter Planung und sie können sich rühmen, heute einen der kleinsten ökologischen Fußabdrücke von allen westeuropäischen Ländern zu hinterlassen. Ihre natürliche Aufmerksamkeit für die Umwelt mag erklären, weshalb sie so enthusiastisch auf eine der vielversprechendsten Entwicklungen in der heutigen Umweltbewegung reagiert haben – die revolutionäre ökologische Designphilosophie, die als „Cradle to Cradle“ bekannt wurde.

{xtypo_rounded2}Cradle to Cradle beruht auf einem einfachen Prinzip: Abfall ist gleich Nahrung. {/xtypo_rounded2}

Cradle to Cradle (C2C) beruht auf einem einfachen Prinzip: Abfall ist gleich Nahrung. Das heißt, statt Abfall zu produzieren, der Deponien verseucht und verstopft, können unsere Rückstände wieder zur Ressource werden – zu  Rohstoffen für zukünftige Produktgenerationen bzw. Nahrung für lebende Organismen. Dieser Ansatz ermöglicht ein Design, bei dem man „den Lebenszyklus im Blick hat“. So formuliert es der amerikanische Architekt William McDonough, der zusammen mit dem deutschen Chemiker Michael Braungart das Cradle-to-Cradle-Konzept entwickelte. Anstatt Dinge zu produzieren, die „weniger schlecht“ sind, oder zu einem anspruchsloseren Lebensstil zurückzukehren, propagieren sie, dass wir Produkte, Gebäude und sogar ganze Städte entwickeln können, die aktiv zum Lebensprozess beitragen und den zukünftigen Generationen die Ressourcen für Güter und lebende Systeme liefern. Im Gegensatz zu unserer gängigen Cradleto-Grave-Produktion (Wiege zum Grab) legt ihr Cradle-to-Cradle-Denken (Wiege zur Wiege) gleichermaßen Wert auf Nachhaltigkeit, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und auf Funktionalität.

Wenn wir es intelligent anstellen, behaupten sie, werden Wirtschaft und Ökologie gleichermaßen aufblühen – ein Ansatz, der vielleicht die Begeisterung der unternehmerischen Holländer für C2C erklärt.  C2C-Designprinzipien wurden weltweit bereits bei kleinen und großen Projekten angewandt, angefangen von Babywindeln, die sich zersetzen, während der Junior heranwächst, bis hin zur Wiederherstellung eines der am stärksten vergifteten Flüsse Amerikas und den nahe daran gelegenen Fordwerken, die in großem Umfang die Umwelt verschmutzten. C2C hat sich bewährt, sowohl ökologisch wie ökonomisch. Bis jetzt jedoch konnte man lediglich Vermutungen anstellen, welche Auswirkungen C2C auf ein ganzes Land haben könnte. Wenn sich das Interesse der Niederländer an Cradle to Cradle mit der Geschwindigkeit der letzten anderthalb Jahre weiterentwickelt, könnte die Welt bald herausfinden, wie eine nationale Ökonomie aufblühen kann, während sie gleichzeitig eine nachhaltige Beziehung zur Natur aufrechterhält.

In diesem progressiven Land, das einst über ein riesiges koloniales Reich verfügte, hat das Interesse an Cradle to Cradle recht unkompliziert begonnen: Am 2. Oktober 2006 sendete das holländische Fernsehen eine Dokumentation mit dem Titel Abfall = Nahrung. Der 50-minütige Film führt in die Ideen von Cradle to Cradle ein und zeigt einige der internationalen Erfolge, zwar keinen aus Holland, aber alle sehr beeindruckend. Der Film stieß bei vielen der 16 Millionen Einwohner auf große Resonanz. Innerhalb weniger Monate nach der Ausstrahlung des Films gründeten sich verschiedene Initiativen.

Roger Cox aus Maastricht, Anwalt und Vater zweier Kinder, war für eine der ersten verantwortlich und löste in Holland heftige Debatten über die globale ökologische Krise aus. Cox kommt nicht aus dem „Nachhaltigkeitsbusiness“, wie er sagt: „Zumindest bis dahin war ich noch nicht so weit.“ Aber die Dokumentation „hat mich  bewegt und so begann ich, in meiner Anwaltsfirma darüber zu sprechen.“ Er fragte: „Was können wir als Anwaltskanzlei tun, um in unserer eigenen Region einen Unterschied zu bewirken?“ Die Antwort war, den Bewohnern ihrer Heimatstadt kostenlos einen ganzen Monat lang Al Gores Film über globale Erwärmung Eine unangenehme Wahrheit zu zeigen. Bald wurde in den Medien über den Klimawandel geschrieben und diskutiert.

{xtypo_rounded2} Weltweit sind die Prinzipien des C2C-Designs bei vielen Projekten angewandt worden, aber welchen Effekt könnten sie in einem ganzen Land haben?  {/xtypo_rounded2}

Cox sagte sich: „Wenn es so einfach ist, die Leute dazu zu bringen, über den Klimawandel zu diskutieren, warum gründen wir dann nicht eine Stiftung, um das auch in anderen Städten tun zu können?“ Im Januar 2007 gründete Cox die Planet Prosperity Foundation. Deren erste Aktion war "Eine unangenehme Wahrheit" in 20 anderen holländischen Städten kostenlos zu zeigen. Was folgte, war eine noch größere Aufmerksamkeit und Diskussion in den Medien. Von da an ging es schnell – und das Hauptwort „cradle“ wurde in ein Verb verwandelt. „Let’s Cradle“ ist der Name einer ganzen Reihe von Tagungen, die nun überall in den Niederlanden stattfinden, die erste davon im November 2007 in Maastricht. Jacqueline Cramer, die niederländische Ministerin für Wohnungsbau, Raumplanung und Umwelt, hielt eine programmatische Rede vor 650 Teilnehmern aus der Wirtschaft, der Regierung und den Universitäten und kündigte das Vorhaben der holländischen Regierung an, das Cradle to- Cradle-Design landesweit einzuführen. Weitere Tagungen sind in Vorbereitung, die nächste wird sich überwiegend an Studenten wenden, die sich zu Hunderten von der Vision von Nachhaltigkeit und positiver Veränderung, die C2C bietet, angesprochen fühlen.

Und es wurde nicht nur geredet. Almere, ein Vorort von Amsterdam, wird 60 000 neue C2C-Wohneinheiten bauen. McDonoughs Architekturfirma ist dabei, einen Masterplan für einen großen vielfältig nutzbaren Geschäftskomplex zu erstellen, bekannt als Park 20/20. Eine Gruppe junger Kunststudenten mit Unternehmergeist hat eine Serie hundertprozentig biologisch abbaubarer Möbel hergestellt. Am bemerkenswertesten aber ist eine die ganze Region umfassende Initiative in der Provinz Limburg, die lokale und landesweite Interessen zusammenführt, um Partnerschaften zu gründen, die eine „neue industrielle Revolution“ in dieser Gegend verwirklichen wollen. Ziel ist es, die Ergebnisse der gemeinsamen Bemühungen auf der nächsten Internationalen Gartenausstellung zu zeigen, der Floriade 2012, wo Tausende internationaler Touristen die Möglichkeit haben, sich die Früchte der Planung und Bauweise nach Cradle-to-Cradle-Prinzipien aus erster Hand anzusehen.

„Eine Gesellschaft in eine nachhaltige Gesellschaft umzuwandeln wird Jahrzehnte dauern“, sagt Cox. Aber mit dem Fleiß der Holländer, ihrem feinen Gespür für Handel und Geschäfte und der Schnelligkeit, mit der die C2C-Bewegung an Unterstützung gewinnt, könnte Cox seinen Traum von einem Holland, „das in der Welt wieder eine führende Rolle einnimmt“, schon bald verwirklicht sehen. Er erklärt: „Wir sind ein kleines, dicht besiedeltes Land, mit einer guten akademischen Infrastruktur. Die Leute hier kennen einander. Es ist leicht, etwas in die Tat umzusetzen.“ Und sicher hat er recht, wenn er sagt, „dass gerade jetzt in Holland etwas geschieht, was nirgendwo sonst passiert.“ Obwohl die Dringlichkeit leicht zu verstehen ist, die sich aus einem jahrhundertelangen Leben unterhalb Meeresniveau ergibt, ist der Elan, mit dem die Niederländer darangehen, die strengen C2C-Strategien umzusetzen, nichtsdestoweniger inspirierend. Vielleicht braucht die Welt solche sichtbaren Beispiele, um die Widerstände gegen die Lösung unserer massiven Umweltprobleme zu überwinden. Wie ein Kind mit seinem Finger das Loch eines Deiches schließen kann, so kann auch eine kleine, aber  entschlossene Anstrengung einiger Weniger einen großen Unterschied bewirken. 

Siehe auch:
WorldChanging
Einfach intelligent produzieren,
Umweltbewegungen im 21.Jahrhundert
Messe Frankfurt: NUTEC - Becoming native to the planet

Autor: Carol Ann Raphael
Quelle: What is Enlightenment? Deutsche Ausgabe
Artikel in What is Enlightenment? Nr.28 oder ein Gratisheft zur Probe hier bestellen
Copyright www.wie.org/de

Weitere Artikel dieser Ausgabe
- Mythos und Leben des Deepak Chopra
- Leben in der Dunkelheit
- Der Blick vom Zentrum des Universums
NEUES AUS EINER ENTSTEHENDEN KULTUR

 
 

Aktuelle Info + Trend Webseiten im Netz


 

Empfehlung

Das iBullitt ist das innovative Elektro Lastenrad für urbane ...

Change will happen, when you change yourself.


 

WEB Marketing + Kampagnen


 

2016 SHIFT HAPPENS

Exploring The Shift. The Shift is not a thing. It is an action and a state of being, a Shift of awareness from EGO- to ECO-System.

Anders-Besser-Leben