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Montag, 18. Dezember 2017

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8. Anerkennen und Kümmern

 Menschen benötigen Aufmerksamkeit, um zu gedeihen und um das Leben lebenswert zu finden. Bereits Herodes hat festgestellt, dass Kinder, die zu wenig Zuneigung erfahren, sterben. Und auch die klassische Einteilung nach der Maslow'schen Bedürfnispyramide ist überholt, denn das Bedürfnis nach Zuwendung und Anerkennung kommt nicht erst, wenn körperliche Grundbedürfnisse gestillt sind, sondern ist immer vorhanden. Doch Zeit mit anderen spielerisch und mal ohne ein konkretes Ziel verbringen zu können ist geradezu ein Luxus geworden. Aufmerksamkeit ist begehrt, einerseits wegen der Zuwendung, die wir von einem anderen Menschen erhalten, andererseits weil sie eine begrenzte Ressource ist.

Georg Franck sieht viele Parallelen einer Ökonomie der Aufmerksamkeit und der Ökonomie des Geldes, die beide nach ähnlichen Regeln funktionieren. „Aufmerksamkeit kann zwar als solche nicht weitergetauscht werden, sie kann aber sehr wohl einen Tauschwert annehmen. Ihr Tauschwert hängt unter anderem von dem Einkommen an Beachtung ab, das die beachtende Person bezieht.“. Das Acht geben, um beachtet zu werden, ist eine elementare Form der Zwischenmenschlichkeit. Wir setzen im Spiel um Anerkennung Aufmerksamkeit ein, um an die Einsätze anderer zu gelangen. Der tägliche Tausch wird zu einem Markt von Angebot und Nachfrage. Wo liegt nun das rechte Mass? Das Verlangen nach Zuwendung an sich ist nicht verwerflich, wohl aber eine Wahllosigkeit, wenn es um das Erheischen von Anerkennung geht. Eitelkeit ist nichts anderes als eine Gier, sich selbst in jedem Moment gefallen zu wollen. Nun sind wir von der Wertschätzung anderer abhängig und weil diese immer in Aufmerksamkeit verpackt ist, scheint unser Verlangen nach Zuwendung unersättlich. Um hier eine Balance zu finden, müssen wir stets kritisch hinterfragen, wie viel Wertschätzung wir guten Gewissens in Anspruch nehmen dürfen. Wir müssen auch anderen etwas übrig lassen, sonst sind wir egoistisch, wenn wir alle Aufmerksamkeit auf uns lenken.

Am deutlichsten wird dies in den auf Aufmerksamkeit spezialisierten Märkten, den Medien. Hier bezahlen die Verbraucher mit Zeit und somit mit gewidmeter Aufmerksamkeit dafür, dass die Anbieter wiederum ihnen, als Zielgruppe Aufmerksamkeit schenken, indem sie produzieren und zeigen, was der Zuschauer, die Zuhörerin oder der Leser haben möchte. Die Einheiten in denen das Ganze dann entgeltlich berechnet werden kann sind unter anderem Auflagenhöhen, Einschaltquoten oder Pageviews. Aufmerksamkeit ist die Währung der Medien, wer sie erregen, bündeln und aufrecht erhalten kann, ist in der Lage, sie wie eine Ware zu verkaufen.

Nochmal zurück zur Ökonomie der Aufmerksamkeit im Alltag: Beim Tauschgeschäft um Anerkennung mit dem Ziel, Beachtung zu erhalten, gehen wir eine Bedingung ein, nämlich erfolgreich zu sein, um die Erwartungen der anderen erfüllen zu können. Hier schliesst sich der Kreis zur Geldökonomie, denn der wirtschaftliche Erfolg liess sich bisher gut mit Prestigeträchtigem zeigen: Auto, Haus mit Garten, Eckzimmerbüro, Sommer- und Winterurlaub und eine Schweizer Uhr am Handgelenk. Nun erkennen wir aber, dass unser Bemühen, über Konsum und Leistung Anerkennung zu erhalten, auch ethische und ökologische Nebeneffekte haben kann, sodass wir vorsichtiger werden, unsere Errungenschaften zur Schau zu stellen. Aber vielleicht hat sich nur die Szenerie geändert.

Soziale Netze im Internet eignen sich hervorragend, Aufmerksamkeit durch smarte Sprüche, Kommentare, Schnappschüsse und Verweise auf Interessantes zu erheischen. Facebook und Co sind dabei, jene Substitutionsrolle zu übernehmen, die bislang Luxusgegenstände als Projektionsflächen für Anerkennung innehatten. Bei der Generation der aktiven Netzwerker zählen „Friends“ und „Followers“ als jenes soziales Kapital, das zu einem positiven Selbstwertgefühl verhilft. Wer jedoch glaubt, mit mehr als 300 Kontakten zu beeindrucken, irrt, wenn wir uns darauf besinnen, behutsam Anerkennung zu tauschen, um nicht als eitler Geck oder Besserwisserin dazustehen.

Bühnen zu schaffen, um Anerkennung zu zollen, ist so alt wie die Geschichte des Theaters. Manche fühlen sich dazu berufen, ihr Bestes in einer Performance darzustellen, und solange die Zuschauer etwas dabei mitnehmen oder auch nur Spass und Unterhaltung geniessen, ist das Tauschgeschäft auch fair. Unerträglich werden Star-Allüren und Promi-Klatsch, wenn die Selbstwertschätzung der Bühnenhelden oder Musiker nicht im Verhältnis zum Fremdbild stehen. Solange es Massenmedien gibt und konsumiert werden, werden diese weiterhin Stars produzieren. In Netzwerkmedien sind sie nicht mehr nötig, da findet eine dynamische Fremdwertschätzung statt, die in manchen Systemen als „Karma“ ausgewiesen wird. Wer sich in einer Online Community bewährt, also sich aktiv einbringt und für Ordnung sorgt, erhält die Chance auf erweiterte Rechte und Anerkennung durch die anderen Mitglieder.

 

Abbildung 6: Karma für das Verbessern von Software

 

In einer Ökonomie des ethischen Handelns werden wir Anerkennung dafür geben, ethische Werte zu erklimmen, ohne den Umweg über eine Zurschaustellung von Luxusgütern oder eine Bewertung des Lebensstils zu gehen. Diese Überlegungen fliessen in die Konzeption eines Bewertungssystems ein, dem eine ethische Gewichtung von Produkten und Dienstleistungen zugrunde liegt, und das sich auch für Tauschgeschäfte eignen würde.

Widmen wir uns nun einem weiteren Aspekt der Anerkennung, nämlich jener Form, die mit einer Zuwendung einhergeht. Dies betrifft in erster Linie den Umgang mit Kindern, die einen Anspruch auf Betreuung und Begleitung haben. Artikel II-84 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union legt Rechte des Kindes fest, insbesondere: Kinder haben Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge, die für ihr Wohlergehen notwendig sind. Personen, die Zeit für die Kinderbetreuung und -erziehungpflegebedürftige Familienmitglieder sorgen, werden als „Personen mit Fürsorgepflichten“ bezeichnet. Wer diese unterlässt, macht sich strafbar. Die Betreuung von Kindern ab drei Jahren ausserhalb der Familie wird mittlerweile allgemein akzeptiert. aufwenden oder die für

„Drei Viertel glauben, dass Vorschulkinder leiden, wenn die Mutter arbeitet“ weiss die Familiensoziologin Ulrike Zartler und nennt dies die „Traditionalisierungsfalle“. Österreich ist hier Entwicklungsland. Nicht nur auf dem Gebiet der Kleinkinderbetreuung, die nun etwas besser wird, sondern vor allem wegen der Einstellungen, die sich nur sehr langsam ändern. Kritiker von Krippen und Tagesstätten, z.B. das Familiennetzwerk, argumentieren, dass in der Regel die Eltern, zu denen eine sehr lange und vertrauensvolle Bindung aufgebaut werden konnte, die emotionale, geistige und soziale Entwicklung des Kindes am besten gefördert werden kann. Andererseits kann eine frühe Betreuung durch professionelle, pädagogisch ausgebildete Fachkräfte vermeiden, dass sich Defizite der Primärsozialisation zu einer Bildungsbenachteiligung104 Wer ein „Zwergennest“ besucht hat, weiss, dass die Kinder dort sehr viel Spass haben können, viel lernen, was zu Hause vielleicht nicht geboten wird, wie tanzen und singen und dass sie schon früh Toleranz üben müssen. Perfekt ist eine Mischung aus Betreuung in einer Gruppe am Vormittag und zumindest ein Elternteil, der sich am Nachmittag kümmert und Programm macht. verfestigen.

Damit auch beide Eltern die Fürsorge immer ernst nehmen, sollten sie das Sorgerecht am besten gleich zu Geburt teilen, falls dies nicht durch einen Ehevertrag ohnehin geregelt ist. So können die Kinder nicht zum Zankapfel werden, falls die Beziehung der Eltern mal nicht gut läuft oder auseinander geht.

Kümmern müssen wir uns auch um Alte. Unsere Eltern und Grosseltern freuen sich über unsere Anwesenheit und Aufmerksamkeit. Deren Geschichten können auch wirklich spannend sein und wir können sie auffordern, diese aufzuschreiben oder vor laufender Kamera zu erzählen, solange sie noch fit dazu sind. Auch Erzählkreise können ein Ort sein, wo sich dieselbe oder unterschiedliche Generationen treffen, um Geschichtsunterricht aus erster Hand zu erhalten. Dies ist eine Aufgabe, die einige regionale Museen ergänzend zu ihrem Ausstellungsprogramm als „historische Anthropologie“ in Diskussionsrunden anbieten.

 

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