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Dienstag, 23. Mai 2017

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Veränderungsprozess

Ethify Your Life

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einfach besser leben

Das Buch Ethify Yourself zeigt die Grenzen des Wachstums und die sich daraus ergebenden Chancen für ein ethisches Handeln.  Ein neunteiliger Wertekatalog orientiert sich an Wissenschaft, Lebensweisheiten und Weltreligionen. Vorschläge für ein umsichtiges Leben und Wirtschaften werden mit Beispielen für Erwerb, Mobilität, Wohnen und der Organisation von Unternehmen illustriert.

1. Das Leben einteilen

Jeder Tag hat 24 Stunden, davon verbringen wir etwa 16 in wachem Zustand. Europäer können erwarten, 80 Jahre alt zu werden. Bei mehr als 450.000 verfügbaren Stunden, die wir uns prinzipiell einteilen können, macht es Sinn, sich einen Plan zurechtzulegen. Wer am Totenbett bedauert, sein Leben lang zu lange am Schreibtisch gesessen zu sein und sich zu wenig um Freunde oder Kinder gekümmert zu haben, kann nicht mehr reagieren. Reservieren wir doch die uns verfügbare Zeit für bestimmte Aktivitäten und lassen uns nicht von Bequemlichkeit, Gier, Sucht nach Anerkennung oder dem blinden Konsum einfach treiben.

Die feministische Wissenschafterin Frigga Haug schlägt vor, vier Bereiche menschlicher Tätigkeit zu unterscheiden und diese mit ähnlichem Gewicht zu bewerten: Erwerb, Subsistenz, Kultur und Politik. Nur so haben wir die Chance, ein ausbalanciertes Leben zu leben, unabhängig zu sein und Erfahrungen aus verschiedensten Bereichen zu sammeln.

Beim Erwerb geht es um jene Arbeit, die wir für unser materielles Leben leisten. Dies umfasst Lohnarbeit oder eine selbstständige Tätigkeit und dient nicht nur der Herstellung von Lebensmittel, sondern es geht auch um Dinge, die uns das Leben angenehm machen.

Bei der Subsistenz geht es um die Anerkennung der Arbeit für Haushalt und Kinder. Dies umfasst Kochen, Aufräumen, Waschen, die Arbeit und das Spiel mit Kindern, sich um die eigene Gesundheit kümmern aber auch andere Menschen pflegen.

Bei der Kultur geht es um die ständige Erweiterung unseres geistigen Horizonts, um lebenslanges Lernen, um Zeit für uns selbst.

Weiters ist eine aktive Einmischung in die Politik notwendig, um die Gesellschaft mitgestalten zu können. Dazu gehört nicht nur eine aktive Mitarbeit in Vereinen, sondern auch um die Mitwirkung in politischen Gremien.

Frigga Haug hat nicht alle Bereiche bis ins letzte Detail beschrieben, sondern versucht in ihrem Buch „Die Vier-in-einem-Perspektive“ eher ein generelles Verständnis für ihr Konzept zu vermitteln. Ich würde dem Bereich Erwerb auch alle Dienstleistungen zuordnen, die wir erwirtschaften oder konsumieren. Frigga Haug verwendete bei der Subsistenz ursprünglich den Fachbegriff der Reproduktion, welcher darauf gerichtet ist, die Produktionsfähigkeit, also den Erwerb  zu stärken. Ich verwende lieber den Begriff der Subsistenz, weil ich den eigenen Garten oder etwa das Reparieren von Geräten dazuzähle. Zur Kultur gehört nicht nur das passive und aktive Kulturleben, sondern wohl auch unsere Fitness, das Lernen, Lehren und Forschen, gemeinsam Spass haben, auch mal in Ekstase geraten, aber sich auch besinnen und eine Form der Spiritualität finden und üben. Bei der Politik würde ich nicht nur die Arbeit in Gremien, in einem Verein oder in einer Genossenschaft dazuzählen, sondern auch das Berichten oder Aufdecken und Publizieren, zum Beispiel in einem Internet-Blog.

Haug möchte uns klarmachen, dass alle vier Bereiche eigentlich gleich wichtig für ein erfülltes und emanzipiertes Leben sind. Sowohl Männer als auch Frauen sollen in allen vier Bereichen aktiv sein. Die Arbeit für die Familie kann mindestens so spannend sein wie der Job und die Mitgestaltung unserer Umgebung ist ebenso wichtig wie Zeit für die individuelle Entwicklung. Für die eigene Unabhängigkeit ist es wichtig, auch Geld zu verdienen und genauso benötigen wir Zeit für Freunde und uns selbst. 


Ethified Life  

Erwerb

Subsistenz

Kultur

Politik

 

Nahrung

Haushalt

Lernen

Vereinsarbeit

 

Dienstleistungen

Kochen & Essen

Muße

Mitbestimmung

 

Geräte

Pflege & Körper

Fitness

Gremien

 

Wohnraum

Kinder & Eltern

Spiritualität

Berichten

 

Energie

Pflanzen & Garten

Kreativität

Empowerment

16h pro Tag

4h

4h

4h

4h

112h pro Woche  

28h

28h

28h

28h

Tabelle 1: Die Vier-in-einem-Perspektive

Nachdem wir pro Tag 16 Stunden zur Verfügung haben, schlägt Haug vor, dass wir jedem Bereich vier Stunden widmen. Dies mag freilich von Tag zu Tag und in unterschiedlichen Lebensphasen variieren. Wir werden weiterhin kollektive Erwerbspausen am Wochenende, im Sommer und zum Jahreswechsel machen. Wer die Schwerpunkte verschiebt, soll darauf achten, dass dies nicht zulasten anderer oder der Umwelt geht. Wenn sich ein Familienvater 20 Jahre nur um den Erwerb kümmert, sind die Chancen für seine Partnerin vorbei, auch Anteil am Erwerbsleben zu haben. Aus feministischer Perspektive schafft eigenes Einkommen erst Unabhängigkeit und soll daher für alle möglich sein.

Nun, welchen Tagesrhythmus wähle ich, um meine Ansprüche an ein ausgeglichenes Leben zu erfüllen? Hier ein Beispiel für eine typische Kleinfamilie mit schulpflichtigen Kindern, wie das Konzept konkret umgesetzt wird: Um 6 Uhr 30 stehen alle auf und widmen sich der Subsistenz, also Körperpflege, Frühstück und etwas aufräumen. Um 8 Uhr sind die Kinder in der Schule und die Eltern im Erwerb, dort wird jeweils auch eine einfache Mahlzeit eingenommen, gegen 15 Uhr kommen alle nach Hause und man hört Musik, macht Sport, nimmt sich einfach Zeit für sich selbst oder gönnt sich einen Minischlaf. Gegen 18 Uhr wird gekocht und gemeinsam gegessen und abends bleibt Zeit für politische Aktivitäten, surft im Internet oder schaut sich einen Film an. Am Wochenende ist dann mehr Zeit für Garten, Ordnung halten, Spirituelles oder dazu, eine Fähigkeit in einem Kurs dazuzulernen. Klingt doch eigentlich gar nicht so fremdartig, oder? Und wenn beide Elternteile je etwa 25-35 Stunden arbeiten, sollte dies für's Haushaltseinkommen reichen. Für Schüler gibt es keine Erwerbsarbeit, dafür mit Bildung mehr Kultur und die Möglichkeit, sich selbst durch Lernen oder im Spiel zu entfalten. Wer sich altersbedingt nicht mehr ins Erwerbsleben einbringen kann oder will, wird den Schwerpunkt ebenfalls auf die Kultur und vielleicht die Betreuung der Enkel setzen. In der Ferien- und Weihnachtszeit steht die Subsistenzarbeit im Vordergrund.

 

Ein Power Nap empfehle ich übrigens für jeden Tag: zwischen 13 und 17 Uhr für eine viertel Stunde wegdösen macht mich für den Nachmittag fit und ich kann am Abend problemlos eine oder zwei Stunden länger aufbleiben. Gut eignet sich dafür der Bus oder der Zug auf dem nach Hause Weg oder auch der Schreibtisch oder die Schulbank mit einem Polsterchen drauf. Damit es am Arbeitsplatz zu keinen Irritationen kommt, ist es ratsam, dies in der Abteilung anzukündigen und ein „Power Nap“ - Schild aufzustellen, eventuell mit einem Uhrzeiger aus Karton der anzeigt, wie lange man nicht gestört (oder eventuell geweckt) werden möchte.

Lässt sich die alte 40-40-40 Regel noch aufrecht erhalten? 40 Jahre lang je 40 Wochen 40 Stunden pro Woche arbeiten: Dieses Modell mag weiterhin ein wichtiges Ziel etwa bei Arbeitnehmerinnen in Sweat Shops für Elektronik oder Mode in Asien oder Lateinamerika darstellen, wo eine Arbeitszeit von 70 Stunden oder mehr für die Produktion von Mobiltelefonen, Taschen oder Jeans üblich sind. Doch in entwickelten Ländern, die das Industriezeitalter hinter sich lassen und wo soziale MIndeststandards etabliert sind, entsteht der Wunsch nach mehr Flexibilität. Mit einem Lebensarbeitskonto könnten wir auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Lebensphasen besser reagieren und auch länger im Arbeitsprozess bleiben.

Wer keine Kinder hat, kann sich in der Alterspflege engagieren oder mit jungen Menschen Abenteuer inszenieren. Im Erwerb sollen Kinderlose nicht wesentlich mehr arbeiten. Workaholics verzerren den Wettbewerb um Aufstiegsmöglichkeiten oder Chancen um Aufträge oder Ausschreibungen gegenüber jenen, die eine Balance im Leben suchen. Die EU Kommission anerkennt eine durchschnittliche Jahresarbeitszeit von 1680 Stunden im Jahr für eine Vollzeitbeschäftigung6. Bei unserem Modell liegen wir mit 1460 Stunden (365 x 4) nur knapp darunter. Das entspricht einer 35 Stunden Woche mit 5 Wochen Ferienzeit für Leute im erwerbsfähigen Alter. Freilich soll sich Einsatz und Fleiss auch weiterhin bezahlt machen und dafür Anerkennung gezollt werden, doch wir benötigen mehr Umsicht, dass wir uns diese nicht auf Kosten anderer holen und dass die notwendige Arbeit in etwa gleich verteilt wird.

Das Modell von Frigga Haug, an einem Tag in den vier Lebensbereichen Erwerb, Subsistenz, Kultur und Politik aktiv zu sein, kann nicht nur auf eine Woche oder einen Monat, sondern auch auf die gesamte Lebensarbeitszeit verteilt werden. Wer eine Ausbildung abschliesst, wird – nach einer Eingewöhnungsphase an die Arbeitswelt – gerne viel leisten. Wohnraum und eine Einrichtung müssen erst verdient werden. Mit einem Partner und Kindern verschieben sich die Prioritäten, dafür sind die Eltern auch zu zweit und teilen Erwerb und Betreuungsaufgaben. Politische Aktivitäten stehen vielleicht erst in einer reiferen Lebensphase im Vordergrund. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, will sie vielleicht auch nochmal beruflich neu durchstarten, gründet ein eigenes Unternehmen oder übernimmt eine Managementfunktion, die vollen Einsatz erfordert. Der Bereich der Kultur, welche Bildung mit einschliesst, darf in keinem Lebensabschnitt fehlen. Lernen ist ständig notwendig, und dazu gehört nicht nur, sich Wissen anzueignen oder es aufzufrischen, sondern auch Kenntnisse und Erfahrungen bewusst sammeln, sei es mit dem Besuch einer Konferenz oder einem Master-Studium. Und das Leben zu Hause? Wer sich nicht an der Subsistenzarbeit beteiligt, also nicht kocht, wäscht, aufräumt oder putzt, lebt auf Kosten anderer oder verleugnet den eigenen Körper, der auch Erholung und Pflege braucht.

Selbstverständlich gilt dieses Modell für Frauen und Männer gleichermassen, allenfalls im Jahr nach der Geburt eines Kindes mögen sich die Verhältnisse etwas verschieben, die im zweiten Jahr des Kindes wieder kompensiert werden können. In modernen Familien hat sich folgende Reihenfolge bewährt: zuerst geht die Frau in Karenz, dann der Mann. Auch wenn der Verdienst etwas einbricht, ist die Betreuung eines Kindes auch für einen Mann eine wirklich schöne Aufgabe, zudem bekommt die Partnerin die Chance, beruflich wieder einzusteigen, ohne für immer den Anschluss zu verlieren. Eine Doppelverdienerstrategie ist krisensicherer, als wenn nur einer für's Einkommen zuständig ist. Und wenn's in einer Lebensphase wirklich stressig wird, dann muss eben Hilfe organisiert werden, um den Haushalt in Schuss zu halten oder um die Kinder auch dann zu betreuen, wenn die Eltern gerade mal keine Zeit haben. Unterstützung für die Subsistenz anzunehmen ist völlig ok, sofern nicht jemand komplett die Verantwortung dafür dauerhaft abgibt. Wir hatten einigen Au-Pair Mädchen und Burschen die Chance gegeben, deutsch zu lernen und unsere Kultur kennen zu lernen und waren froh, wenn noch jemand mehr im Haushalt anwesend war, um bei der Betreuung der Kinder zu unterstützen. Unser letztes Au Pair Li Ping aus China hat nicht nur ihre Deutschkenntnisse perfektioniert, sondern mit uns sogar Schi fahren gelernt.

Tabelle 2: Ein Leben lang 24 Stunden verteilen

Die „Vier-in-einem-Perspektive“ schafft also Gerechtigkeit, an allen wichtigen Facetten des Lebens teilzuhaben. Wer sich nicht weiterbildet, verliert den Anschluss, wer nie Windeln gewechselt Socken gestopft oder Glühlampen gewechselt hat, dem fehlen wichtige Lebenserfahrungen, die wiederum im Berufsleben das Urteilsvermögen und die Toleranz schärfen können. Die vier Bereiche sind gleich gewichtet und müssen daher eine ähnliche Wertschätzung erhalten. Einige Bereiche werden nachfolgend näher beleuchtet, wie sie möglichst in Einklang mit ethischen Grundsätzen gelebt werden können.

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