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Donnerstag, 23. Mrz 2017

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Mit Sex fangen Beziehungen an, und ohne Sex hören sie auf

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Liebe und der erste Schritt

72% der Deutschen glauben an die große Liebe, doch nur 28% aller Partnerschaften sind gut bzw. sehr gut. Nun wird verschiedentlich empfohlen, man solle in der Liebe realistisch sein. Es ist jedoch verhängnisvoll, wenn wir die Ansprüche an eine Liebesbeziehung zu sehr senken. Zwar gibt es in der romantischen Liebe viele unrealistische Hoffnungen, aber es gibt eine Grunderkenntnis: wer wenig in der Liebe erwartet, bekommt sehr wenig.

Liebe ist: den ersten Schritt zu tun

Nun wissen wir inzwischen durchaus, wie eine Partnerschaft gelingt:
Wir brauchen eine hohe Gestaltungskraft: wir müssen die eigenen Wünsche kennen, dem Partner mitteilen, manchmal auch die eigenen Bedürfnisse durchsetzen.

Gleichzeitig brauchen wir viel Sozialkompetenz, wir müssen geschickt vorgehen, denn Partnerschaft ist immer eine Teamaufgabe, wir müssen uns einfühlen können und verstehen und die Beziehung auch mit den Augen des Partners sehen. Gewissermaßen ist die Gestaltungskraft der Motor eines Autos, die Sozialkompetenz sind die Fahrkünste.

Und beides bewirkt, dass das Fahrzeug der Liebe auf der Strasse bleibt, das ist der dritte Faktor (die Bindekraft). Diese Bindekraft, die für die Beziehung extrem wichtig ist (sonst ist der Partner nach der ersten Krise weg oder geht fremd) hängt entscheidend damit zusammen, dass man seine Wünsche äußern kann und dass man spürt, dass man gut behandelt wird.

Erfahrungsgemäß sind gute Beziehungen selten. Das liegt vor allem darin, dass kaum jemand zugleich über die notwendige Gestaltungskraft als auch Sozialkompetenz verfügt. Entweder sind wir sehr auf den Partner ausgerichtet und passen und an oder wir setzen uns gut durch. Deshalb scheitern Liebesbeziehungen so häufig, obwohl wir das Gelingen der Liebe erklären können

Letztlich ist dies so wie mit der gesunden Lebensweise. Wir alle wissen, dass man viel Gemüse essen, nicht rauchen und viel Sport machen sollte. Doch nur jeder 7. Deutsche lebt so. Bei der Liebe ist es ähnlich, wir tragen Beschädigungen aus der Kindheit in die Beziehung hinein, haben zu wenig Gestaltungskraft oder Sozialkompetenz und die Alltagsbelastungen und der schwierige Partner führen dann dazu, dass die Liebe nach mehreren Jahren sehr beschädigt wird. Damit sollte man sich nicht abfinden.

Nun werden die meisten Menschen folgende Einschätzung teilen: Sie selbst seien halbwegs normal, trotz kleiner Fehler sollte man gut mit ihnen umgehen können, schwierig sei nur der Partner. Und so arbeiten sich vor allem die meisten Frauen an ihrem Partner ab, um die Beziehung zu verändern. 72% der Frauen sagen, sie wollten ihren Partner ändern, über 90% der Männer lehnen dies ab. Fast niemand ändert sich - bei wichtigen Persönlichkeitseigenschaften - unter Druck. Wenn wir ständig versuchen den Partner zu verändern verschlechtern wir immer die Partnerschaft:

Die Gestaltungskraft sinkt, weil wir uns ohnmächtig fühlen

Die Sozialkompetenz sinkt, weil wir zu immer heftigeren Mitteln greifen

Und die Bindekraft sinkt, weil sich bald jeder zurückzieht.

 

Dennoch sollten wir den Glauben an eine gute Partnerschaft nicht aufgeben. Gute Liebesbeziehungen sind möglich. Ich plädiere daher für eine Phantasiereise, in der man deutlich spürt, was man selbst will. Natürlich kann man sich keinen Partner »backen«, aber wir müssen wissen, wie weit unsere Beziehung von unseren Wünschen entfernt ist. Und der Autor Jacob Wassermann schreibt in einem Roman: "Wir können der Wirklichkeit nicht habhaft werden. Sie muss gestutzt, gekürzt, geknetet, ja, sie muss umgeglüht werden, und der Ofen, in dem die Umglühung vorgenommen wird, ist die Phantasie.

Nach einer solchen Phantasiereise sind wir oft ungeduldig, auch wütend und sehr emotional. Doch diese Kräfte müssen wir bändigen, wenn wir die Beziehung verbessern wollen, sie sollen wie bei einer Wassermühle die Kraft zur Verbesserung der Partnerschaft bereitstellen. Aber dazu brauchen wir eine langfristige Strategie. Wir machen meist den Fehler, dass wir sehr viel in kurzer Zeit verändern wollen und unterliegen dem Irrglauben, dass dies keiner Anstrengungen bedarf. Deshalb nannte ich ursprünglich meine Vorgehensweise 100 und ein Tag - um jene Zeitspanne zu verdeutlichen, die für eine solche Veränderung erforderlich ist. Und diese Strategie zur Verbesserung der Beziehung wirkt gerade auch dann, wenn der Partner zunächst wenig mitwirkt. Das ist in der Mehrheit aller Partnerschaften der Fall. Dann sind 17 Entwicklungsschritte wichtig:

Dazu gehört eine Analyse der Beziehung, ich muss meine eigenen schwierigen Anteile überwinden, um damit den Partner nicht zu belasten und muss darauf achten, dass es mir gut geht, um den Partner nicht zum Sündenbock zu machen. Letztlich muss ich wieder in die Beziehung investieren, wenn wir sie jahrelang vernachlässigt haben. Es gilt die Grundregel: Wer etwas bekommen will, muss zunächst etwas geben. Und ich muss regelmäßig eine Erfolgskontrolle durchführen, um zu prüfen, ob meine Vorgehensweise überhaupt richtig ist. Schwierig sind immer automatisierte Handlungen in der Partnerschaft. Indem sich die Stimmung in der Partnerschaft verbessert hat, besteht nun auch die Grundlage für konstruktive Gespräche. Doch selbst wenn diese nicht gelingen, gibt es einen Ausweg: die gemeinsame Paartherapie. Allerdings sind nur 1/3 aller Männer dazu bereit und sie verläuft nur in 50 bis 80% der Fälle zufriedenstellend.

Müssen tue ich gar nichts, sondern wollen...

 

LIEBE findet im Sein statt, nicht im Werden, nicht im Geben, nicht im Bekommen und auch nicht im Haben.

 

Deshalb muss ich immer bereit sein, mich zu ändern, dies ist die mutigste Antwort auf den Stillstand in der Paardynamik. Entscheidend ist zunächst vor allem die Intensivierung der Freundschaften. Durch diese soziale Schwerpunktverlagerung werde ich interessanter, ich arbeite mich nicht mehr am Partner ab, die Beziehung beginnt wieder zu atmen, die Nähe-Distanz-Regulation stimmt wieder. Der wichtigste Entwicklungsmotor der Liebe ist letztlich immer die eigene Entwicklung. Ich muss die eigenen Lebensziele erkennen, das gemeinsame Liebesproblem und sich aufschaukelnde Rollenmuster überwinden, ich sollte neue Entwicklungsräume ins Auge fassen und meine innere Mitte finden - nachdem ich meine inneren Entwicklungsbremsen bearbeiten konnte. Auf diese Weise verändert sich das gesamte System der Partnerschaft: So überwinde ich die Langeweile in der Beziehung und ich bin ein Vorbild für den Partner. Dies ist wichtig, denn meist haben Partner ähnliche Defizite, beide sind zu wenig aktiv, machen zu wenig Sport, trinken zu viel Alkohol, müssten abnehmen. Zudem werden einseitige Muster abgebaut: Verhängnisvoll sind vor allem einseitige Versorgungsmuster (einer ist immer der Verwöhnte) oder es liegen Muster der Dominanz/Unterordnung und dem Muster Bewunderung/Bewunderer vor. Außerdem haben beide Partner immer am Anfang ein ähnliches Entwicklungsniveau, es verändert sich daher die gesamte Struktur einer Beziehung, wenn ich mich ändere.

Diese Strategie bewirkt, dass die Partnerschaft wieder atmet und dies ist auch die Grundlage für eine Intimität, in der die Erotik aufbrüht. Seit fast 30 Jahren arbeite ich mit dieser von mir entwickelten MEFU-Methode (Meine Entwicklung für uns), sie bewirkt, dass man sich nicht mehr negativ am Partner abarbeitet, man arbeitet viel stärker an der eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Dies ist erfolgversprechend, weil die eigene Persönlichkeit letztlich immer die Grundlage für meine Liebesfähigkeit darstellt. Indem man die eigenen Ziele fokussiert, fängt die Beziehung wieder an zu leben und der Partner verändert sich durch das Prinzip der indirekten Veränderung. Dann sind auch Gespräche mit dem Partner über die Beziehung sinnvoll und erfolgreich. Patienten haben mir vermittelt, dies sei für sie - selbst in scheinbar aussichtslosen Partnerschaften - das Wunder der Liebe. Nach meiner Erfahrung können so 90% aller Liebesbeziehungen verbessert werden.

Dr. Wolfgang Krüger, Liebe ist: den ersten Schritt zu tun - der Weg zur glücklichen Partnerschaft, Verlag Herder GmbH

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