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Dienstag, 17. Oktober 2017

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Transformation - Interview mit Thomas Hübl

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Thomas Hübl

Thomas, das Celebrate Life Festival 2015 widmet sich dem Thema Heilung sowohl auf individueller Ebene als auch als kollektives Anliegen im Sinne einer heilenden Kultur. Was hat dich zu diesem Thema inspiriert?
Thomas Hübl: Heilung, Trauma-Arbeit und die Integration unerlöster Anteile sind meine Passion. Wenn man sich eingehender mit Mystik beschäftigt, erkennt man, dass es in allen großen Weisheits-Traditionen einen gemeinsamen Kern zeitloser Weisheit gibt, der das Leben - den Einzelnen, die Kulturen, den Kosmos -  nicht isoliert voneinander, sondern als etwas Ganzes begreift.

Die Vergangenheit heilen – eine neue Zukunft werden

In diesem Sinne ist Heilung die Wiederherstellung der ursprünglichen Bewegung, Intelligenz und Ausdruck des Lebens. Das gilt sowohl für das Individuum als auch für die Bezogenheit von allem mit allem und den intersubjektiven Beziehungsraum. Integration ist deshalb sowohl eine individuelle als auch eine kollektive Angelegenheit.
Auch der kollektive Körper muss offenbar noch lernen, unterschiedlichste Aspekte zu beinhalten, ähnlich wie dies in individuellen Heilungsprozessen geschieht.
Die ganze Welt erlebt derzeit eine Welle von Aufruhr, Umbruch und Re-Traumatisierung. Jahrtausende alte Schatten entladen sich.
Überall dort, - in uns selbst und in der Welt -, wo es uns nicht gelingt, Konflikte durch Bewusstsein zu lösen, müssen wir erneut durch die Erfahrung hindurch. Es geht also nicht nur um uns persönlich, sondern auch um ein gemeinsames heilsames Kümmern um die Welt.
Dafür brauchen wir Räume, die wir zusammen aufbauen. Räume, in denen sich vor allem die kollektiven Schattenthemen in unserer Bezogenheit erlösen können. Durch unsere gemeinsame Intelligenz bringen wir wieder mehr Bewegung in erstarrte Strukturen.

Was bedeutet das, bezogen auf die individuelle Weiterentwicklung des Einzelnen?
Thomas Hübl: Zunächst einmal ist es ungemein spannend, dass es so viele Menschen gibt, Therapeuten, Ärzte, Lehrer, Coaches, Heiler u.a., deren innerstes Anliegen es ist, einen heilsamen Beitrag in dieser Welt zu leisten. In ihnen ist etwas, das sie antreibt. Eine Kraft, die herausfinden möchte, wie sich das Leben heiler, integrierter, authentischer und erfüllender leben lässt. Etwas, das danach verlangt, sein volles Potenzial zu entfalten, inspiriert von ursprünglicher Kreativität.
Diese Leidenschaft trifft auf unerlöste Traumen, Schatten und Kontraktionen. Teile des Lebens verlangen danach, heiler und vollständiger zu werden. So entsteht eine Spannung, die einerseits persönliches Leid überwinden will, und die zugleich ein großes Interesse daran hat, immer tiefer in das Thema Heilung einzutauchen und zu ergründen, wie Heilung funktioniert. Diese evolutionäre Spannung ist von großer Schönheit, denn sie führt immer tiefer in die Essenz, zu immer tieferen Erkenntnissen und mehr Integration.
Und genau diese evolutionäre Spannung ist – wenn sie kreativ benutzt wird – der treibende Motor für Heilung und Entwicklung. Alle Menschen, die diese Aufgabe annehmen, werden sich im Laufe ihres Lebens immer mehr integrieren und dadurch immer mehr ihren wahren Beitrag in der Welt leisten.

Das Anliegen des Festivals geht deutlich über individuelle Heilreisen hinaus. Was macht das Thema Heilung kollektiv aktuell so wichtig?
Thomas Hübl: Viele Menschen entwickeln gegenwärtig ein höheres Bewusstsein und bringen sich damit weltweit sowohl in ihre privaten Beziehungen als auch in Unternehmen und kulturelle Belange ein. Ich glaube, dass es dringend notwendig ist, dass dieses kollektiv erweiterte Bewusstsein neue Möglichkeiten findet, um die Vergangenheit wirklich zu bewältigen.
Die unerlösten Traumen der verschiedenen Kulturen brechen an vielen Brennpunkten der Erde wieder auf. Die Menschheit schreit förmlich nach einer Weiterentwicklung, die uns dazu befähigt, unsere kulturellen Traumen aufzuarbeiten.
Gelingt uns das nicht, werden uns die nicht integrierten Traumen dazu zwingen, die entsprechenden traumatischen Erfahrungen nochmals und nochmals zu wiederholen. Dieses Prinzip trifft auf die Weiterentwicklung der Welt ebenso zu wie auf individuelle Heilreisen.
Die kulturellen Schatten drängen global massiv danach, ans Licht gebracht und erlöst zu werden. Nun liegt es an uns, geeignete kollektive Gefäße zu entwickeln, wie wir die kollektiven Narben in eine Integration führen können. Auf dem Weg zu einem globalen Verständnis ist dies meiner Meinung nach unumgänglich.

Wie können wir uns der Verantwortung für kollektive Heilung stellen?
Thomas Hübl: Wirkliche Verantwortung ist die Fähigkeit, Augenblick für Augenblick adäquat auf das Leben zu antworten. Um uns diese Fähigkeit zueigen zu machen, müssen wir selber heil werden. Verantwortung zu übernehmen bedeutet also, mich den unerlösten Teilen meiner Entwicklungsgeschichte zu stellen. Dadurch werde ich selbst ganz und kann das Leben ganz verkörpern.
Ich glaube, dass Bewusstsein und die Evolution des Bewusstseins neue Wege finden können, um sich aus eigenem Antrieb um eine sich weiterentwickelnde Welt zu kümmern. Und ich glaube auch, dass es vielen Menschen gemeinsam gelingen kann, die Schatten der Vergangenheit auf eine heilsame Weise in die Zukunft zu integrieren.
Heilung kann eine kulturelle Tätigkeit werden, ein kollektives Potenzial, unsere gemeinsame Aufgabe.
Wir können lernen, wesentlich präziser und effektiver die essenziellen Themen zu adressieren, die in Gruppen von Menschen oder unterschiedlichen Kulturen thematisiert werden müssen. Oft ist Kommunikation verwoben und undurchsichtig. Man könnte sagen, wir agieren miteinander im Rauch, aber wir kümmern uns nicht um das Feuer. Und ich glaube, dass es an der Zeit ist, sich sowohl in individueller als auch in kollektiver Hinsicht um das Feuer zu kümmern.

In unserer Kultur liegen hohes Engagement und Burnout offenbar nahe beieinander. Gibt es einen Maßstab für gesunde Aktivität?
Thomas Hübl: Die evolutionäre Spannung, die sich aus der Faszination von Heilung ergibt, führt dazu, dass sich immer mehr Menschen den Brennpunkten widmen, an denen sich Licht und Schatten begegnen, also den Punkten, an denen unser Potenzial auf die Vergangenheit trifft. Das ist eine große Herausforderung.
Viele Menschen (nicht nur in helfenden Berufen) fühlen sich erschöpft und ausgebrannt, und es ist natürlich wichtig, dass wir uns damit beschäftigen, wie wir unsere Batterien in einer immer komplexer werdenden Welt immer wieder aufladen können. Ein nachhaltiger Lebensstil ist es, wenn wir es schaffen, die Batterie unserer Lebensenergie aufzuladen während wir unseren Alltag erleben. Die meiste Erschöpfung entsteht da, wo wir uns unserer individuellen und kollektiven Schatten nicht bewusst sind.
Daneben gibt es aber auch Menschen, die ihr ganzes Leben lang mit Begeisterung in z.T. schwierigen Arbeitsfeldern tätig sind, dennoch keinerlei Erschöpfung zeigen, und sich auch nach vielen Jahren inspiriert und genährt fühlen. Und es gibt Menschen, die großartige, nachhaltige Projekte initiieren und für ihren Dienst an der Welt offenbar über unerschöpfliche Inspiration und Kraftquellen verfügen. Was ist in deren Leben anders?
Das Verstehen von mystischen Prinzipien kann uns helfen, uns auf gesündere Art zu engagieren. Mit diesen Prinzipien müssen wir uns vertraut machen, wenn wir uns in den Dienst einer heilenden Kultur stellen wollen.

Welchen Fragen stellt sich das Celebrate Life Festival 2015?
Das Celebrate Life Festival 2015 widmet sich den Themen Trauma, Heilung und Integration. Wir schauen uns diese Themen sowohl in individueller Hinsicht an – was ich meine eigene Heilreise? – als auch in Bezug auf die mystischen Prinzipien von Heilung, und darüber hinaus fragen wir: Was sind die kulturellen Aspekte von Heilung? Eine spannende Reise durch die Mystischen Prinzipien. Gleichzeitig erforschen wir, wie das Vergegenwärtigen unseres Zukunftspotenzials uns dabei unterstützen kann, die Vergangenheit zu erlösen. Wir erfahren, wie uns die höhere Inspiration beim Heilungs- bzw. Integrationsprozess unterstützt.
Mystische Prinzipien von Heilung wirken auf individueller Ebene, in Beziehungen zu anderen und als Teil einer Kultur, die sich ihren eigenen Herausforderungen stellen kann. Gemeinsam kreieren wir während des Festivals ein hoch energetisches, kraftvolles Experimentierfeld für die konkrete Weiterentwicklung von heilenden Kompetenzen und Optionen.
Grundsätzliche und individuelle Fragen, denen sich das Festival widmet sind: Was ist die Essenz, also die energetische Natur von Trauma-Arbeit? Welche heilsamen Fähigkeiten können wir durch innere und äußere Praktiken ausbilden? Wie können wir zuhause sein in einer Dimension, die größer ist als unsere Persönlichkeit? Wie können wir uns immer wieder öffnen für Unbekanntes und  vertrauensvoll und zugleich verantwortungsbewusst ins Nicht-Wissen gehen? Wie können wir unsere Lebensgrundlagen mit Licht erfüllen und den Boden für fruchtbaren, heilenden Austausch bereiten?
Fragen in der kulturellen Dimension sind: Wie können wir eine Kultur mitgestalten, die sich um ihre eigene Heilung und die Bewältigung ihrer Traumen kümmert? Welche Werkzeuge kann eine Kultur entwickeln, um ihre abgespaltenen Anteile zu erlösen? Wie können wir kulturelle Weisheit erlangen, die es ermöglicht, die Vergangenheit, die unser tägliches Leben beeinflusst, in eine höher entwickelte Zukunft zu integrieren?
Du sprichst von inter-subjektiver Kompetenz. Was meinst du damit?
Thomas Hübl: So, wie wir gegenwärtig mit Heilung umgehen, sucht man meistens nach Problemlösungen in einer Person. Durch die Möglichketen des Internets und globale Projekte bewegt sich das kollektive Bewusstsein jedoch immer stärker in die Räume zwischen Menschen hinein. Plötzlich ist die Ursache deines Problems nicht mehr zwingend nur in dir, sondern in der Bezogenheit zwischen dir und der Welt zu finden. Schatten- und Integrationsarbeit wird mehr und mehr zu einer inter-subjektiven Angelegenheit!
Ich glaube, dass die Menschheit innerhalb der nächsten 100 oder 200 Jahre eine enorme Entwicklung in Sachen inter-subjektiver Kompetenz und -Intelligenz durchmachen wird.
Unsere Kommunikation und unsere Annahmen von Heilung verändern sich, wenn wir aufhören, uns nur auf uns selbst oder ein Gegenüber zu konzentrieren, und stattdessen lernen, uns auf den Raum zwischen uns zu fokussieren, der mehrere Personen beinhalten kann. Und die Erfahrungen, die wir damit machen, können wir wiederum zurückreflektieren auf den Einzelnen und das Kollektiv.

Welche Rolle spielt die Zeit beim Thema Heilung, und wo siehst du die Zukunft von Traumaarbeit?
Thomas Hübl: Natürlich sind wir als Menschen formell in Zeit eingebunden, aber auf einer höheren Ebene ist die Komponente Zeit für Heilung nicht relevant. Wenn es in unserem Bewusstsein einen offenen Kanal in höhere Weisheit gibt, haben wir Zugang zu Impulsen, für die Zeit keine Rolle spielt.
Ich halte Individualtherapie für wichtig, sehe jedoch, dass diese Kompetenz immer mehr in Wir-Räume verlagert wird und somit Integration die Kompetenz eines Wir wird. Wenn das Wir mehr ist als nur eine Ansammlung von Individuen, eröffnet sich uns eine ganz neue Dimension von Inter-Subjektivität, in der die höchste Intelligenz in dem Raum zwischen uns stattfindet. Somit entwickelt die Kultur die Kompetenz, sich um die eigene Lebensgrundlage zu kümmern.
Der Raum wird sich seiner selbst auf der nächsthöheren kollektiven Stufe bewusst.
Wenn wir eine transpersonale Bewusstheit in dem Raum zwischen uns finden, dann können wir uns die Potenziale aller im Raum in ihrer höchsten Form nutzbar machen. Die gemeinsame Intelligenz intensiviert sich wie im Zusammenspiel eines Orchesters und Prozesse beginnen automatisch abzulaufen.
Freud zum Beispiel hatte zu seiner Zeit bahnbrechende Erkenntnisse auf der menschlichen Landkarte. Jetzt erscheint etwas Neues! Das ist faszinierend. Die inter-subjektive Integrationskraft, eingebettet in dieser höheren Bewusstheit, ist das Aufdämmern einer neuen Dimension. Wenn wir offen dafür sind, uns von dieser Zukunft inspirieren zu lassen, werden wir herausfinden, welche Kompetenzen sich uns gerade eröffnen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Celebrate Life Festival 2015

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