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Sonntag, 25. Juni 2017

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Konsum und Nachhaltigkeit

Umdenken für ein nachhaltiges Leben. Konsum und Nachhaltigkeit ein Widerspruch? Dass unser Lebensstil die Ressourcen über alle Maßen beansprucht, ist durchaus bekannt. Doch nur eine Minderheit ist bereit, ihr Konsumverhalten nachhaltig zu ändern. Wie lässt sich dieser Widerspruch zwischen Wissen um den eigenen Ressourcenverbrauch und Sorge um die Umwelt einerseits und wenig nachhaltigem Konsumverhalten andererseits erklären? Die Frankfurter Soziologin Prof. Birgit Blättel-Mink betrachtet unterschiedliche soziokulturelle Milieus, die jeweils einem idealtypischen Lebensstil zugeordnet werden, in Bezug auf ihr Umweltbewusstsein und -verhalten.



Der durchschnittliche Deutsche hinterlässt auf unserem Globus einen ökologischen Fußabdruck von 4,7 Hektar, dieser ist damit neunmal größer als der eines Afrikaners. Würden alle sechs Milliarden Menschen auf der Erde ähnlich aufwändig leben, wie wir es tun, wären fast „zweieinhalb Erden“ notwendig. Der ökologische Fußabdruck errechnet sich aus verschiedensten Faktoren, dazu gehören unter anderem Energieverbrauch, Luftverschmutzung, Flächennutzung, Wasserverbrauch und Nahrungsmittelverbrauch. Unser Lebensstil konterkariert damit das Ziel der Vereinten Nationen, auch den zukünftigen Generationen die Chance zu geben, ihre Bedürfnisse adäquat stillen zu können.

Soziologinnen und Soziologen nutzen die Instrumente der Lebensstilforschung, um Konsumverhalten und Umweltbewusstsein zu vergleichen. Dabei werden Informationen über die Schichtzugehörigkeit mit Werthaltungen und spezifischen Formen der Lebensführung verknüpft. Blättel-Mink nennt zwei signifikante Beispiele: „Postmaterielle – gut ausgebildete und beruflich abgesicherte, einkommensstarke Personen – und Moderne Performer – in der Regel jünger als 30 Jahre, sehr gut ausgebildet mit hohem Einkommen – konsumieren zwar oft bewusster und kaufen häufiger umweltgerechte Produkte, belasten aber mit ihrem Lebensstil die Umwelt und zeigen kaum Neigung, auf große Autos oder Fernreisen zu verzichten. Studien belegen, dass Menschen mit einem mittleren bis hohen Umweltbewusstsein in sogenannten „low-cost“-Bereichen (wie Mülltrennung und energiesparendem Heizen) durchaus umweltbewusst agieren, aber nicht in „high-cost“-Situationen (wie beim Verzicht auf das eigene Auto oder Fernreisen).

In den letzten Jahren macht international eine spezifische Lebensform von sich reden, welche die Marktforschung als „Lifestyle of Health and Sustainability“ (LOHAS) kennzeichnet: Eine positive Umwelteinstellung geht mit der Bereitschaft einher, in weiten Bereichen umweltorientiert zu handeln. Gründe dafür liegen in der Vorstellung des „richtigen Lebens“, einem Mehr an sozialer Gerechtigkeit und dem Wunsch, sich und seine Familie gesund zu ernähren. Sehr aktuell taucht nun auch in Deutschland ein ähnlicher neuer Lebensstil auf, den die Forscher „sozial-ökologischen Lebensstil“ nennen. Zirka sieben Prozent der vom Sinus-Institut Heidelberg befragten Personen sind diesem Lebensstil zuzurechnen. Ihre Vertreter sind gut gebildet, verfügen über ein mittleres bis hohes Einkommen und gehören zur bürgerlichen Mittelschicht. „Inwieweit wir es mit einem Trendmilieu zu tun haben, dessen Orientierungen zukünftig auch in anderen Milieus diffundieren werden, wird sich in der Zukunft zeigen“, so die Frankfurter Soziologin.

Voraussetzung für mehr nachhaltigen Konsum ist auch ein umfassendes Informationssystem, das den Kundinnen und Kunden bei Kaufentscheidungen das notwendige Wissen zur Verfügung stellt. „Hier gibt es noch einen erheblichen Nachholbedarf, das hat auch der von der Bundesregierung eingesetzte Nachhaltigkeitsrat festgestellt“, ergänzt Blättel-Mink. Zertifizierte Ökolabel und Hinweise auf „Fairtrade“-Produkte sind für Konsumenten häufig nur schwer eindeutig erkennbar.

Informationen: Prof. Birgit Blättel-Mink, Soziologie mit dem Schwerpunkt Industrie- und Organisationssoziologie, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Campus Bockenheim, Mehr...

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